Freitag, 21. November 2014

Marketing & Management

21.12.2012
Artikel Nummer: 18991

Konsumgüter der Zukunft

Schweizer Konsumenten sind offen und interessiert, aufgeklärt, instrumentiert und vernetzt. Und: Sie sind smarter als man denkt.


Was kaufen Konsumenten in der Schweiz im Jahr 2023? Wie werden sie einkaufen? Wo werden sie ihre Wunschprodukte beziehen? Antworten zu diesen Fragen gibt die neue Studie von GS1 und IBM Schweiz. Der gemeinsame Report zeigt auf, wie Konsumgüter, deren Verkauf und deren Lieferketten sich bis in zehn Jahren entwickeln werden. 
Hierfür haben IBM Schweiz und GS1 Schweiz im Sommer 2012 eine repräsentative Konsumentenumfrage bei 1000 Konsumentinnen und Konsumenten aus der Deutsch- und Westschweiz durchgeführt und den Ergebnissen einer weltweiten, ebenfalls repräsentativen Konsumentenbefragungen von IBM gegenübergestellt. Zudem wurden bestehende Studien aus unterschiedlichen Quellen konsultiert, Expertengespräche durchgeführt und ein Intensiv- Workshop mit Marktakteuren abgehalten. Dabei wurden die Studienergebnisse diskutiert und ergänzt. 
Die Wertschöpfungskette rund um Konsumgüter gehört zu den wirtschaftlich, kulturell aber auch sozial wichtigsten Systemen. Sowohl für GS1 Schweiz als auch für die IBM sind diese Wirtschaftsbereiche von zentraler Bedeutung. Es ist daher naheliegend, dass sich beide Organisationen vertieft mit der Zukunft der Konsumgüter befassen. Mit dem Report „Konsumgüter 2023+“ werden Tendenzen und der damit verbundene Handlungsbedarf aufgezeigt.

 

Schweizer Konsumenten sind kritischer geworden. Sie sind in der Lage, sich ausführlich über Produkte zu informieren und Vergleiche anzustellen. Beim Einkauf legen sie vermehrt Wert auf Gesundheit, Nachhaltigkeit, aber auch auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Sie wollen Wahrheit und Klarheit. Bei der Informationsbeschaffung vertrauen sie überwiegend ihrem persönlichen Umfeld und Social Media Kontakten. Tauschplattformen erlauben die Nutzung von Produkten zu erschwinglichen Bedingungen und tragen zu einer post-materialistischen Wandlung vom „Besitz“ zur „Verwendung“ bei. Dabei sind glaubwürdige, einfache, verständliche und transparente Produktinformationen erforderlich. „Word of mouth“ bedeutet zuzuhören und zu verstehen. Durch eine offene Kundenbeziehung und einen aktiven Dialog wird Vertrauen aufgebaut und kontinuierlich gepflegt und gestärkt. Die Konsumenten wünschen vermehrt auch „personalisierte Produkte“, mit der Möglichkeit, ihre individuellen Wünsche einzubringen. Dabei ist es zwingend, dass sich der Mehrwert eines Produktes im Preis transparent widerspiegelt. Produkt und Dienstleistung sollen vermehrt ineinander verschmelzen, dabei soll dem Wertewandel vom Besitzen zum Nutzen Rechnung getragen werden.

 

Die Welt wird immer instrumentierter, vernetzter und intelligenter. Schweizer Konsumenten möchten diese Möglichkeiten auch beim Einkauf erleben und zur Alltagsbewältigung nutzen. Erwartet werden eine personalisierte und zeitnahe Interaktion, relevante Informationen und ein praktischer Nutzen. Die Bereitschaft ist gross, verschiedene Technologien wie PC, Tablets und Smartphones beim Einkauf einzusetzen. Kunden möchten selbst entscheiden, an welchem Touch Point sie ihre Einkaufsreise beginnen. Wird der Einkaufsprozess digital gestartet, ist die Chance gross, dass dieser auch digital abgeschlossen wird. Der Laden bleibt jedoch nach wie vor die wichtigste Verkaufsfläche. Mobile Technologien werden den Einkauf zunehmend darin unterstützen.

 

Ein jüngerer Trend zeigt, dass Schweizer Konsumenten zunehmend daran interessiert sind direkt beim Hersteller einzukaufen. Diese Entwicklung verstärkt sich, weil Produzenten dank modernen Technologien und leistungsfähigen Dienstleistern für Konsumenten immer einfacher erreicht werden. Um diesen Trends Rechnung zu tragen, ist die Kommunikation mit den Konsumenten gezielt einzusetzen. Der Fokus liegt auf dem Dialog zwischen Verbrauchern und Anbietern. Dabei können kanalübergreifende Marketingbotschaften vermittelt werden, welche von den Verbrauchern als Dienstleistung wahrgenommen werden. Alle kundenrelevanten Informationen sind zu integrieren und die daraus entstandenen Daten sollen dazu genutzt werden, um den Endverbraucher besser kennen zu lernen und auf seine persönlichen Bedürfnisse einzugehen.

 

Bedingt durch die Verbreitung neuer Technologien bieten sich dem Konsumenten neue Beschaffungsmöglichkeiten. Der für den Konsum notwendige Zeiteinsatz soll auf die persönlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden. Bereits heute bevorzugen nur noch 60 Prozent der Schweizer Konsumenten den klassischen Einkauf im Laden. Wenn sich der Konsument die Zeit nimmt, einen Laden zu besuchen, erwartet er eine hohe Verfügbarkeit der Produkte. Kann der Konsument ein Produkt nicht sofort erwerben, wählt er einen anderen Kanal, kauft einen alternativen Artikel oder er geht zur Konkurrenz. Bei der Tätigung ihrer Einkäufe – egal ob im Laden oder elektronisch – erwarten Konsumenten einen kanalübergreifenden und effizienten Vollservice – von der Beratung bis hin zur Bewältigung von Retouren.

 

Dabei werden Unternehmen immer stärker mit Kleinmengenlogistik konfrontiert. Dies bedarf organisatorischer Anpassungen, effizienter Prozesse und des Einsatzes von Standards. Pooling ist dabei ein mögliches Rezept. Transparenz über die gesamte Lieferkette ist gefragt, um den optimalen Ressourceneinsatz sicherzustellen und die Kollaboration unter den Detailhändlern, Produzenten und Logistik-Dienstleistern zu ermöglichen.

 

Mit diesen Trends konfrontiert, sind Unternehmen gut beraten, ihre Marken, Produkte und deren Angebotsformen zu hinterfragen. Wer Konsumenten zuhört und versteht, findet heraus, welche Handlungsoptionen und -bedürfnisse sich ergeben. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der Aussagen zu erheben, dient der von GS1 und IBM Schweiz verfasste Report „Konsumgüter 2013+“ als Grundlage für Diskussionen und für die Erweiterung des Themas.

 

Der Report kann hier heruntergeladen werden:

www.gs1.ch/de/wir-ueber- uns/medien/mitteilungen/GS1-report.php

 

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